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Ein Museum zu Antonín Dvořáks Kindheit

Einrichtung in Nelahozeves war Thema im Kultur-Zoom der Ackermann-Gemeinde

Mit Musik, konkret dem Komponisten Antonín Dvořák, schlossen für dieses Jahr die Zoom-Veranstaltungen der Ackermann-Gemeinde. Denn die Musikwissenschaftlerin Eleonore Kinsky, Enkelin von Ferdinand Graf Kinsky (1934 – 2020, früher im Hochschulring der Ackermann-Gemeinde aktiv und Vizepräsident des CIFE - Centre International de Formation Europeenne) stellte das im September nach umfangreicher Restaurierung mit einer neuen interaktiven Ausstellung wiedereröffnete Geburtshaus Dvořáks vor. An 38 PCs verfolgten gut 50 Personen interessiert die Ausführungen der Referentin.

Diese stellte Moderatorin Sandra Uhlich zunächst kurz vor. Denn Eleonore Kinsky ist auch Kuratorin und Programmmanagerin des Museums. Sie wurde in Paris geboren, wuchs in Prag auf und studierte anschließend Musikwissenschaft am französischen Lyceum in Prag sowie danach an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Humboldt-Universität in Berlin und dem King's College in London. Im Jahr 2018 trat sie der Fürstlichen Lobkowicz-Stiftung bei. In der deutschsprachigen katholischen Pfarrei in Prag wirkte sie bis 2023 im Pfarrgemeinderat mit, so dass sie natürlich mit der Ackermann-Gemeinde in Kontakt kam, die ihr aber auch über ihren Großvater gut bekannt war.

Etwa 30 bis 35 Kilometer von Prag entfernt, in Nelahozeves, befindet sich das zu den Lobkowicz-Sammlungen gehörende Geburtshaus. Dieses war früher die Dorfschänke und wurde in der Vergangenheit zwei Mal (Nationalsozialisten, Kommunisten) enteignet. Die Rückgabe der Lobkowicz-Besitztümer erfolgte in den frühen 1990er Jahren, das Dvořák-Geburtshaus, das zuletzt im Jahr 1951 renoviert wurde und in dem letztmals im Jahr 1971 eine Ausstellung stattfand, stand zunächst nicht im Fokus. „Es war in einem sehr schlechten Zustand“, blickte Kinsky zurück. Erst ab 2019 reiften die konzeptionellen Überlegungen in Richtung Museum, doch Corona behinderte dann eine rasche Umsetzung. „Die Planungen mussten online geschehen“, erläuterte die Kuratorin und verwies auf Firmen unter anderem in Deutschland, England und in den USA, die in das Projekt involviert waren. Daneben war viel Archivarbeit nötig. Als thematischer Schwerpunkt kristallisierte sich Dvořáks Kindheit heraus, die er ja in eben diesem Haus verbrachte. Das Geburtshaus bzw. die Dorfschänke sollte im Mittelpunkt stehen, die Nebengebäude (frühere Scheunen, Ställe) für Verwaltung (Ticket-Verkauf, Shop, Büros) dienen. Anhand von Fotos zeigte Kinsky den Zustand vor und nach der Restaurierung. Angesichts weiterer Dvořák-Museen in Tschechien sollte hier seine Kindheit, konkret die Entwicklung vom (talentierten) Sohn des Fleischers und Schenkers zum weltberühmten Komponisten, im Mittelpunkt der elf Räume stehen. Da es nur wenig Exponate gibt, wird auf interaktive Elemente großer Wert gelegt. „Es sollen alle Sinne angesprochen werden. Vieles ist auch zum Anfassen“, verdeutlichte die Kuratorin. Zentrales Element ist der Audioguide mit Musik und Texten (Tschechisch, Englisch, Deutsch). Dabei handelt es sich nicht um Übersetzungen, sondern um separate Texte in den jeweiligen Sprachen und Dialektfärbungen, auch um die Spezifika (lokaler Humor) und Charaktere besser und authentischer zu treffen. „Die Texte basieren alle auf recherchierten Fakten“, betonte Kinsky. In den letzten Museumsräumen ist dann auch – in kleinen Tonbeispielen – Musik des Komponisten zu hören. „Wir wollen die Musik den Hörern näherbringen, sie aber nicht überfordern“, fasste sie zusammen. Vor allem Familien und Schulklassen, insgesamt aber alle Interessenten bis hin zu Musikwissenschaftlern sieht sie als Adressaten der Einrichtung, die auch barrierefrei ist und zudem für Workshops, Konzerte und Tagungen zur Verfügung steht.

In den Fragen und Wortbeiträgen ging es um die Prägung Dvořáks durch seinen Vater, der auch Zitherspieler und Musiker war. Aber auch die schulische Ausbildung und der Glaube (Messen unter anderem von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart) bildeten eine gute Basis. Angesprochen wurde auch die Rolle von Johannes Brahms, der Dvořák zum Komponieren seiner „Slawischen Tänze“ gebracht hat. Abschließend lud Kinsky zum Besuch des Museums ein, das Dvořáks Kindheit und sein musikalisches Erbe zeitgemäß und lebendig erfahrbar macht.

Markus Bauer

Eleonore Kinsky bei ihrem Vortrag
Das Projektmodell für das Museum.
In mehreren Modell-Ansichten (am Tisch und an den Wänden) ist der Ort Nelahozeves zu Dvořáks Kindheit zu entdecken.
Die Kulturarbeit der Ackermann-Gemeinde im Institutum Bohemicum wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.